Enkeltrick: Betrüger am Telefon und per WhatsApp erkennen und abwehren
Beim Enkeltrick geben sich Betrüger am Telefon oder per WhatsApp als Enkel, Kind oder Bekannter aus und bitten dringend um Geld, das oft ein „Freund“ abholen soll. Lassen Sie den Anrufer nie raten, legen Sie auf und rufen Sie Ihren Angehörigen unter der bekannten Nummer zurück.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Nennen Sie bei „Rate mal, wer hier spricht“ keinen Namen, sondern fragen Sie: „Wer ist da bitte?“
- Rufen Sie Ihren Angehörigen unter der Nummer zurück, die Sie schon lange gespeichert haben.
- Vereinbaren Sie ein Familien-Codewort, das nirgends aufgeschrieben oder gepostet ist.
- Geben Sie niemals Geld oder Schmuck an einen Freund, Kollegen oder Boten.
- Speichern Sie eine angeblich neue Nummer Ihres Kindes erst, wenn es sie Ihnen über die alte Nummer bestätigt.
- Schon gezahlt: sofort 110 anrufen, die Bank informieren und Anzeige erstatten.
Der Enkeltrick ist eine der bekanntesten Betrugsmaschen – und funktioniert trotzdem weiter. Die Täter rufen gezielt ältere, oft allein lebende Menschen an, geben sich als Enkel, Kind, Nichte oder alter Bekannter aus und erfinden eine Notlage. Seit einigen Jahren läuft dieselbe Masche auch per SMS und WhatsApp. Hier lesen Sie, woran Sie Enkeltrickbetrüger erkennen, wie Sie ältere Angehörige konkret schützen und was nach einer Geldübergabe zu tun ist.
So läuft der Enkeltrick am Telefon ab
- Der Einstieg: „Rate mal, wer hier spricht.“ Wer jetzt „Bist du’s, Lukas?“ fragt, hat den Tätern den Namen geliefert. Ab diesem Moment ist der Anrufer Lukas.
- Die Notlage: ein Unfall, ein günstiges Auto, eine Wohnung, eine Rechnung, die sofort bezahlt werden muss. Das Geld werde „nur ein paar Tage“ gebraucht.
- Der Druck: Der Anrufer meldet sich mehrmals hintereinander, klingt gehetzt und bittet um Verschwiegenheit.
- Die Übergabe: Er könne leider nicht selbst kommen. Ein Freund, Kollege oder Notar hole das Geld ab. Vorher sollen Sie zur Bank – manchmal bestellen die Täter dafür sogar ein Taxi.
Nach Angaben der Polizeilichen Kriminalprävention erbeuten Enkeltrickbetrüger auf diese Weise auch Beträge im fünfstelligen Euro-Bereich. Ihre Opfer finden sie häufig im Telefonbuch: Sie suchen gezielt nach Vornamen, die älter klingen, und nach kurzen Rufnummern, die auf einen alten Anschluss hindeuten.
Beispiel: So klingt ein typischer Anruf
Nachgestelltes Beispiel, Namen und Beträge frei gewählt:
Anrufer: „Hallo Oma, rate mal, wer dran ist!“
Oma: „Lukas, bist du das?“
Anrufer: „Ja, genau! Du, ich hab ein Problem. Ich kann eine Wohnung kaufen, aber der Notar braucht heute noch 18.000 Euro Anzahlung. Mein Geld kommt erst nächste Woche.“
Oma: „So viel habe ich nicht im Haus.“
Anrufer: „Kannst du zur Bank gehen? Ich sitze hier beim Notar fest. Mein Kollege, Herr Wagner, holt es bei dir ab. Und bitte sag Mama nichts – ich will sie überraschen.“
Drei Warnzeichen in einem kurzen Gespräch: Der Anrufer nennt seinen Namen nicht selbst, er braucht sofort Bargeld, und Sie sollen schweigen.
Diese Sätze verraten Enkeltrickbetrüger
| Typischer Satz | Was dahintersteckt |
|---|---|
| „Rate mal, wer hier spricht.“ | Der Anrufer kennt Ihren Enkel nicht – Sie sollen den Namen liefern. |
| „Sag den anderen bitte nichts.“ | Sie sollen niemanden fragen, der den Betrug aufdecken könnte. |
| „Ich kann nicht selbst kommen, ein Freund holt es ab.“ | Der Abholer ist Teil der Bande. |
| „Du kriegst es nächste Woche zurück.“ | Beschwichtigung, damit Sie nicht zögern. |
| „Mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer.“ | Einstieg der Messenger-Variante. |
| „Kannst du das schnell überweisen? Mein Online-Banking geht noch nicht.“ | Typische Bitte bei WhatsApp und SMS. |
Enkeltrick per WhatsApp: „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“
Die Messenger-Variante beginnt mit einer SMS oder WhatsApp-Nachricht von einer unbekannten Nummer: „Hallo Mama, hallo Papa, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer.“ Sie sollen die Nummer speichern und nur noch per WhatsApp schreiben. Es folgen ein paar harmlose Nachrichten, bis Vertrauen da ist. Dann kommt die Bitte: Eine Rechnung müsse dringend bezahlt werden, das Online-Banking auf dem neuen Handy funktioniere aber noch nicht. Ob Sie das eben überweisen könnten?
Laut Polizeilicher Kriminalprävention geht es dabei oft um etwa 1.000 bis 3.000 Euro. Die Verbraucherzentrale nennt typische Erkennungszeichen:
- Fehler in Rechtschreibung und Zeichensetzung, ein holpriger Ton, der nicht zu Ihrem Kind passt.
- Ein Empfängername auf der Überweisung, der nichts mit Ihrem Kind zu tun hat.
- Eine Ausrede, warum das Kind nicht selbst zahlen oder telefonieren kann.
Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale (Stand Juli 2026) sind solche Nachrichten seltener geworden, aber nicht verschwunden. Die wichtigste Regel: Speichern Sie die angeblich neue Nummer nicht, sondern rufen Sie Ihr Kind unter der alten, bekannten Nummer an. Mehr zur Masche im Ratgeber WhatsApp-Betrug; Varianten per Kurznachricht finden Sie im Ratgeber SMS-Betrug.
Ältere Angehörige schützen: Codewort und Gesprächsleitfaden
Wer unter Schock steht, erinnert sich schlecht an gute Vorsätze. Das LKA Niedersachsen rät deshalb, Schutzregeln vorher zu besprechen und zu üben. So gehen Sie vor:
Das Familien-Codewort richtig einrichten
- Persönlich vereinbaren, nicht per Chat oder E-Mail.
- Ein Wort, das niemand erraten kann: kein Haustier, kein Geburtsort, nichts, was in sozialen Netzwerken steht. Gut geeignet sind ein ungewöhnlicher Gegenstand oder ein alter Familienwitz.
- Klare Regel: Wer am Telefon, per Sprachnachricht oder im Chat Geld braucht, nennt das Wort – ohne Aufforderung. Fragen Sie selbst nie „Ist es …?“, sondern immer „Wie lautet unser Wort?“
- Auch bei bekannter Stimme: Stimmen lassen sich mit KI täuschend echt nachahmen. Das Codewort kennt keine Software.
- Einmal durchspielen: Rufen Sie Oma oder Opa an, spielen Sie den Betrüger und prüfen Sie, ob die Regel sitzt.
- Erneuern, sobald das Wort einmal benutzt oder irgendwo aufgeschrieben wurde, wo andere es lesen könnten.
Der Zettel neben dem Telefon
Das LKA Niedersachsen empfiehlt einen Hinweis direkt neben dem Festnetztelefon. Schreiben Sie ihn gemeinsam auf, zum Beispiel so:
Wenn am Telefon jemand Geld will:
- Ich nenne keine Namen. Ich frage: „Wer ist da bitte?“
- Ich frage nach unserem Codewort.
- Ich sage: „Ich rufe dich gleich zurück“ – und lege auf.
- Ich rufe die Person unter der Nummer in meinem Telefonbuch an. Oder meine Vertrauensperson: ________
- Ich gebe niemandem an der Tür Geld oder Schmuck.
- Im Zweifel wähle ich 110.
Weitere Schutzmaßnahmen
- Telefonbucheintrag ändern: Lassen Sie den Vornamen abkürzen oder den Eintrag löschen. Die Polizeiliche Kriminalprävention stellt dafür ein Formular bereit, das Sie an Ihren Telefonanbieter schicken.
- Keine großen Bargeldbeträge zu Hause: Geld und Schmuck sind auf der Bank oder im Schließfach sicherer.
- Mit der Bank sprechen: Fragt ein Bankmitarbeiter bei einer hohen Barabhebung nach dem Zweck, ist das Schutz, keine Schikane.
- WhatsApp absichern: Zwei-Schritt-Verifizierung einschalten und das Profilbild nur für gespeicherte Kontakte sichtbar machen.
Beim Enkeltrick bleibt der Anrufer meist in der Rolle des Verwandten. Meldet sich stattdessen ein angeblicher Polizist, Arzt oder Staatsanwalt, handelt es sich um einen Schockanruf – Beispiele und Hintergründe im Ratgeber Schockanrufe. Einen Überblick über alle Maschen bietet der Ratgeber Telefonbetrug.
Aktuell als Betrug gemeldete Nummern
Aus den Meldungen unserer Nutzer, automatisch aktualisiert.
- 0176 35571190Nicht zurückrufenGemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 09.04.2026
„Gab sich als meine Oma aus und fragte wo ich denn bleibe, sie wartet wohl im Park auf mich“
- 069 92014152Nicht zurückrufenGemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 06.07.2026
- 0361 6690251Nicht zurückrufenAnrufe ohne Ansage, ein Nutzer meldet Betrug · zuletzt gemeldet 10.06.2026
- 089 558774545Nicht zurückrufenPing-Anruf ohne Meldung, sonst kaum Angaben · zuletzt gemeldet 02.06.2026
- 0171 5529180Nicht zurückrufenGemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 15.05.2026
- 0721 9600Nicht zurückrufenWiederholte Anrufe mit sofortigem Auflegen · zuletzt gemeldet 08.05.2026
- 0172 5360416Nicht zurückrufenGemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 07.05.2026
- 0173 3133279Nicht zurückrufenGemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 06.05.2026
Wenn es schon passiert ist
Auf den Enkeltrick reingefallen? Tun Sie Folgendes sofort:
- 110 anrufen – auch wenn der Abholer schon weg ist. Je früher die Polizei Bescheid weiß, desto größer ist die Chance, ihn noch zu fassen.
- Den Abholer beschreiben: Notieren Sie Alter, Größe, Kleidung, Sprache, Fahrzeug, Kennzeichen und die Richtung, in die er gegangen ist – solange die Erinnerung frisch ist.
- Bank informieren, wenn Sie überwiesen haben. In manchen Fällen lässt sich das Geld noch zurückholen. Haben Sie Karten- oder Online-Banking-Daten genannt, lassen Sie den Zugang über den Sperr-Notruf 116 116 sperren.
- Beweise sichern: Anrufliste nicht löschen, Chatverläufe per Screenshot speichern, Überweisungsbelege aufbewahren. Blockieren Sie die Nummer erst danach.
- Anzeige erstatten – bei der Polizei vor Ort oder online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes.
- Keine weiteren Gespräche: Melden sich die Täter erneut – auch als angebliche Polizei, die Ihr Geld zurückbringen will –, legen Sie auf und informieren Sie die Polizei.
- Nummer wechseln, wenn die Anrufe weitergehen, und auf einen Telefonbucheintrag verzichten. Für Betrugsopfer ist der Wechsel in der Regel kostenlos.
Sprechen Sie mit Ihrer Familie darüber. Die Schuld liegt allein bei den Tätern.
Häufige Fragen
Was ist der Enkeltrick?
Beim Enkeltrick geben sich Betrüger als Enkel, Kind oder Bekannter aus und täuschen eine finanzielle Notlage vor. Sie wollen Bargeld oder Schmuck, den ein angeblicher Freund abholt, oder eine Überweisung. Die Masche läuft am Telefon und per Messenger.
Wie funktioniert der Enkeltrick per WhatsApp?
Eine unbekannte Nummer schreibt „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“. Nach einigen harmlosen Nachrichten folgt die Bitte, eine dringende Rechnung zu überweisen, weil das Online-Banking auf dem neuen Handy angeblich nicht funktioniert. Rufen Sie Ihr Kind unter der alten Nummer an, bevor Sie irgendetwas tun.
Woher haben Enkeltrickbetrüger meine Telefonnummer?
Häufig aus öffentlichen Telefonbüchern. Die Täter suchen gezielt nach älter klingenden Vornamen und kurzen Rufnummern. Lassen Sie Ihren Eintrag kürzen oder ganz löschen.
Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich auf den Enkeltrick reingefallen bin?
Übergebenes Bargeld lässt sich nur zurückholen, wenn die Polizei die Täter ermittelt. Bei Überweisungen besteht eine Chance, wenn Sie sofort Ihre Bank anrufen. Erstatten Sie in jedem Fall Anzeige.
Kann eine KI die Stimme meines Enkels nachmachen?
Ja, mit künstlicher Intelligenz lassen sich Stimmen täuschend echt nachahmen. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die Stimme, sondern auf den Rückruf unter der bekannten Nummer und auf ein Familien-Codewort.
Quellen
- Enkeltrick – Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- Messenger-Betrug – Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- Deepfake-Betrug – Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- „Hallo Mama“, „Hallo Papa“ – Betrugsversuche über WhatsApp und SMS – Verbraucherzentrale
- Psychologie der Angst: Wie Callcenter-Betrüger die Vernunft systematisch ausschalten – Landeskriminalamt Niedersachsen
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