Anruf mit Bandansage von „Europol“ oder „Polizei“: Warum Sie keine Taste drücken sollten

Kurz gesagt

Ein Anruf mit Bandansage, angeblich von Europol, Interpol, BKA oder Polizei, ist Betrug. Europol kontaktiert Bürger nicht direkt, und keine Polizeibehörde verlangt am Telefon Geld. Legen Sie sofort auf, drücken Sie keine Taste und nennen Sie keine Daten – wer die 1 drückt, wird mit Betrügern verbunden.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Legen Sie auf, sobald eine automatische Ansage im Namen von Europol, Interpol, BKA oder Polizei beginnt.
  • Drücken Sie keine Taste – auch nicht die 1, um mit einem „Beamten“ zu sprechen.
  • Nennen Sie niemandem Ausweisnummer, Geburtsdatum, Kontodaten oder Zugangsdaten.
  • Überweisen Sie kein Geld ins Ausland, zahlen Sie nichts in Kryptowährung und kaufen Sie keine Guthabenkarten.
  • Rufen Sie die angezeigte Nummer nicht zurück – sie ist bei diesen Anrufen meist gefälscht.
  • Haben Sie Daten genannt oder gezahlt: Bank anrufen und Anzeige bei der Polizei erstatten.

Das Telefon klingelt, im Display steht eine deutsche Handy- oder Festnetznummer. Doch statt eines Menschen spricht eine Computerstimme, meist auf Englisch: Ihr Ausweis werde missbraucht, gegen Sie werde ermittelt – drücken Sie die 1. Die Ansage gibt sich als Europol, Interpol, BKA, „Federal Police“ oder Polizei aus. Andere Varianten nennen sich Amazon oder PayPal. Allen gemeinsam: Wer die Taste drückt, landet bei Betrügern. Hier lesen Sie, woran Sie solche Anrufe erkennen, was nach dem Tastendruck passiert und was Sie jetzt tun sollten.

So klingt ein Betrugsanruf mit Bandansage

Bundesnetzagentur, Verbraucherzentrale und Polizei beschreiben übereinstimmend dieses Muster:

  • Eine automatische Ansage, in der Regel auf Englisch, manchmal als „Computerstimme“ erkennbar.
  • Ein großer Name: Europol, Interpol, „Federal Police“, FBI, das Bundeskriminalamt oder eine deutsche Polizeibehörde.
  • Ein Vorwurf: Ihre Identität oder Ihr Ausweis sei für Straftaten missbraucht worden, gegen Ihr Konto werde ermittelt oder ein Angehöriger sei verwickelt. In einem Fall der Polizeidirektion Görlitz hieß es, die Ausweisdaten seien bei einem Drogengeschäft verwendet worden.
  • Die Aufforderung: Drücken Sie die 1, um mit einem „Beamten“ verbunden zu werden.
  • Eine deutsche Nummer im Display – laut Bundesnetzagentur manipuliert. Die Anrufe kommen aus dem Ausland. Die Polizei in Sachsen berichtet auch von gefälschten Nummern, die auf 110 enden.

Beispiel: Die Ansage und das Gespräch danach

Nachgestelltes Beispiel, Namen frei gewählt:

Computerstimme: „This is an important message from Europol. Your identity card number has been misused in criminal activities. To speak to an officer, press 1.“ (sinngemäß: Ihre Ausweisnummer wurde für Straftaten missbraucht. Drücken Sie die 1, um mit einem Beamten zu sprechen.)

Wer die 1 drückt, wird mit einem Menschen verbunden.

„Officer“: „Good afternoon, this is Officer Miller from Europol. Your name is connected to a drug case. A warrant for your arrest has been issued.“ (sinngemäß: Ihr Name steht im Zusammenhang mit einem Drogenfall, ein Haftbefehl liegt vor.)

Angerufener: „Das kann nicht sein.“

„Officer“: „Then we must verify your identity. Please confirm your date of birth and your ID number. And do not talk to anyone about this case.“ (sinngemäß: Nennen Sie Geburtsdatum und Ausweisnummer und sprechen Sie mit niemandem darüber.)

Warum Sie keine Taste drücken sollten

Die Ansage selbst richtet noch keinen Schaden an. Der Tastendruck ist der Schritt, auf den die Täter warten:

  • Er verbindet Sie mit den Tätern. Nach Angaben der Bundesnetzagentur folgt eine Person, die Sie zur Herausgabe persönlicher Daten oder zu einer Überweisung auffordert.
  • Er kann Geld kosten. Die Polizeidirektion Görlitz warnt, dass der Tastendruck auf eine kostenpflichtige Nummer weiterleiten kann.
  • Er verrät etwas über Sie. Bei der PayPal-Variante bestätigen Sie den Anrufern laut Verbraucherzentrale NRW mit dem Tastendruck, dass Sie ein PayPal-Konto haben.

Was nach dem Tastendruck passiert

  1. Ein angeblicher Ermittler übernimmt, oft auf Englisch. Er behauptet, gegen Sie oder Ihr Konto werde ermittelt.
  2. Er droht. Wer nicht kooperiert, dem kündigt er Haft an.
  3. Er fragt Daten ab: Ausweisnummer, Geburtsdatum, Kontodaten – angeblich zur Identitätsprüfung. Die Polizei warnt, dass die Täter solche Angaben nutzen, um an Ihr Online-Banking zu kommen oder Auslandsüberweisungen auszulösen.
  4. Er verlangt Geld: eine Überweisung auf ein Konto im Ausland, eine Einzahlung auf ein Kryptowährungs-Konto oder Guthabenkarten. Die Polizeidirektion Görlitz schildert den Fall eines Mannes, der sechs Google-Play-Karten zu je 500 Euro kaufte und die Codes durchgab. Erst als er sechs weitere kaufen sollte, brach er ab – 3.000 Euro waren weg.

Woran Sie die Masche erkennen

Merkmal Was dahintersteckt
Automatische Ansage im Namen von Europol, Interpol oder BKA Europol kontaktiert Bürger nach eigenen Angaben nicht direkt.
Englische Ansage, englischsprachiger „Beamter“ Die Anrufe kommen laut Bundesnetzagentur aus dem Ausland.
Deutsche Nummer im Display, manchmal mit 110 am Ende Die Nummer ist gefälscht. Die Polizei ruft nie mit der 110 an.
„Drücken Sie die 1“ Weiterleitung zu den Tätern, unter Umständen kostenpflichtig.
Haftdrohung, Zeitdruck, „sprechen Sie mit niemandem“ Druckmittel, damit Sie nicht nachdenken oder nachfragen.
Geld ins Ausland, Kryptowährung, Guthabenkarten Das verlangt keine Polizeibehörde. Europol verhängt keine Geldstrafen und nimmt keine Zahlungen an.

Varianten: Amazon, PayPal und angebliche Abbuchungen

Nicht jede Bandansage gibt sich als Behörde aus. Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor Anrufen, in denen eine Computerstimme behauptet, über PayPal sei bereits eine Zahlung von mehreren hundert Euro veranlasst worden. Wer sie stoppen wolle, solle eine Taste drücken. Ähnliche Anrufe gibt es im Namen von Amazon. Die Masche ist seit Ende 2023 bekannt und kam auch schon als WhatsApp-Anruf.

Prüfen Sie in diesem Fall selbst: Legen Sie auf, öffnen Sie die echte App oder Website, melden Sie sich an und sehen Sie nach, ob es die Zahlung wirklich gibt. Nur dann wenden Sie sich an den Kundenservice – über App oder Website, nie über eine Nummer aus dem Anruf. Ähnlich arbeitet der falsche Technik-Support, der Ihnen einen gehackten Computer einredet; mehr dazu im Ratgeber Microsoft-Betrug.

Gefälschte Nummern: Warum ein Rückruf nichts bringt

Die Nummern im Display sind bei diesen Anrufen in aller Regel gefälscht. Seit dem 1. Dezember 2022 dürfen Anrufe aus dem Ausland keine deutsche Rufnummer mehr anzeigen; ausgenommen sind deutsche Handys im Roaming. Anrufe, die fälschlich 110 oder 112 anzeigen, werden abgebrochen. Ganz verhindern lässt sich Rufnummernmanipulation damit nicht.

Rufen Sie die angezeigte Nummer nicht zurück. Laut Bundesnetzagentur kann eine real existierende Nummer missbraucht werden – dann erreichen Sie einen Unbeteiligten, der selbst nichts von den Anrufen weiß. Wie das technisch funktioniert, erklärt der Ratgeber Anruf-Spoofing.

Anruf mit Bandansage: Was tun?

  1. Auflegen, sobald die Ansage beginnt.
  2. Keine Taste drücken – auch nicht, um „sich abzumelden“ oder „mehr zu erfahren“.
  3. Keine Daten nennen: keine Ausweisnummer, kein Geburtsdatum, keine Kontodaten, keine Zugangsdaten.
  4. Im Zweifel selbst bei der Polizei anrufen – über die öffentliche Nummer Ihrer Dienststelle oder die 110, nie über die Rückruftaste.
  5. Notieren Sie Uhrzeit und angezeigte Nummer und melden Sie den Anruf. Die Bundesnetzagentur empfiehlt eine Strafanzeige bei der örtlichen Polizei. Wurde eine Nummer gefälscht, können Sie sich zusätzlich bei der Bundesnetzagentur beschweren – möglichst schnell, weil Verkehrsdaten meist nach sieben Tagen gelöscht werden. So geht es: Beschwerde bei der Bundesnetzagentur.
  6. Warnen Sie Ihre Familie, vor allem ältere Angehörige.

Falsche Polizisten rufen nicht nur mit Bandansage an. Wenn ein angeblicher Beamter persönlich anruft und Bargeld oder Schmuck „sicherstellen“ will, lesen Sie den Ratgeber Schockanrufe und falsche Polizisten. Einen Überblick über alle Maschen gibt der Ratgeber Telefonbetrug.

Aktuell als Betrug gemeldete Nummern

Aus den Meldungen unserer Nutzer, automatisch aktualisiert.

  • 0241 98090247Nicht zurückrufen
    Automatisierte Werbeanrufe mit Google-Bezug · zuletzt gemeldet 13.08.2026

    „Computerstimme will was mit Google ... kommentarlos aufgelegt und gesperrt“

  • 0157 78479926Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 22.10.2026
  • 0152 2163318Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 22.10.2026
  • 01234567890Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 19.10.2026
  • 069 92014152Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 06.07.2026
  • 0361 6690251Nicht zurückrufen
    Anrufe ohne Ansage, ein Nutzer meldet Betrug · zuletzt gemeldet 10.06.2026
  • 089 558774545Nicht zurückrufen
    Ping-Anruf ohne Meldung, sonst kaum Angaben · zuletzt gemeldet 02.06.2026
  • 0171 5529180Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 15.05.2026

Alle aktuellen Spam-Nummern

Wenn es schon passiert ist

Wenn Sie eine Taste gedrückt, Daten genannt oder gezahlt haben:

  1. Bank sofort anrufen, wenn Sie Kontodaten genannt, Geld überwiesen oder Online-Banking-Zugänge preisgegeben haben. Lassen Sie Karte und Online-Banking über den Sperr-Notruf 116 116 oder die Sperrnummer Ihrer Bank sperren und fragen Sie, ob sich die Überweisung noch stoppen lässt.
  2. Zahlungsdienst informieren, wenn Sie über einen Geldtransferdienst, eine Kryptowährungs-Plattform oder per Guthabenkarte gezahlt haben. Heben Sie Kaufbelege und Karten als Beweis auf.
  3. Anzeige erstatten bei der örtlichen Polizei oder online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Bringen Sie Uhrzeit, angezeigte Nummer, die genannten Namen und Behörden sowie Kontonummern mit.
  4. Ausweisnummer genannt? Sagen Sie das bei der Anzeige ausdrücklich. Achten Sie in den nächsten Wochen auf Post, Rechnungen oder Verträge, die Sie nicht kennen.
  5. Nichts löschen: Machen Sie einen Screenshot der Anrufliste in Handy oder Router.
  6. Telefonrechnung prüfen, wenn Sie nach dem Tastendruck verbunden wurden, und beanstanden Sie unbekannte Posten bei Ihrem Anbieter.
  7. Nicht auf weitere Anrufe eingehen. Melden sich die Täter erneut, legen Sie auf und informieren Sie die Polizei.

Schämen Sie sich nicht. Die Täter arbeiten mit eingeübten Drehbüchern und bauen gezielt Angst auf – jede Anzeige hilft den Ermittlern.

110Polizei, bei akuter Gefahr oder laufendem Betrug
116 116Sperr-Notruf für Bankkarten und Online-Banking

Häufige Fragen

Ruft Europol bei Privatpersonen an?

Nein. Europol kontaktiert Bürger nach eigenen Angaben nicht direkt, verhängt keine Geldstrafen und nimmt keine Zahlungen an. Einen angeblichen Anruf von Europol sollen Sie der örtlichen Polizei melden.

Was passiert, wenn ich bei einem Anruf mit Bandansage die 1 gedrückt habe?

Sie werden mit den Tätern verbunden, die Daten oder Geld verlangen; die Weiterleitung kann laut Polizei auch kostenpflichtig sein. Haben Sie sofort aufgelegt und nichts genannt, ist meist kein Schaden entstanden. Prüfen Sie trotzdem Ihre nächste Telefonrechnung.

Warum sind die Bandansagen oft auf Englisch?

Die Anrufe kommen nach Angaben der Bundesnetzagentur aus dem Ausland, auch wenn eine deutsche Nummer angezeigt wird. Eine englische Ansage im Namen einer Behörde ist deshalb ein typisches Warnzeichen.

Soll ich die angezeigte Nummer zurückrufen?

Nein. Die Nummer ist meist gefälscht und kann einem Unbeteiligten gehören. Wollen Sie sichergehen, rufen Sie selbst bei Ihrer Polizeidienststelle an.

Wo melde ich einen Anruf von angeblich Europol oder Interpol?

Bei der örtlichen Polizei, auf der Dienststelle oder über die Onlinewache. Wurde eine Rufnummer gefälscht angezeigt, können Sie zusätzlich Beschwerde bei der Bundesnetzagentur einlegen.

Ist jeder Anruf mit Computerstimme Betrug?

Nicht jede automatische Ansage ist Betrug. Fordert die Ansage Sie aber auf, eine Taste zu drücken, um wegen einer Ermittlung, eines Haftbefehls oder einer angeblichen Abbuchung mit jemandem zu sprechen, legen Sie auf.

Quellen

  1. Aktueller Hinweis: Anrufe im Namen von Europol und anderen Polizeibehörden (Stand 08.06.2022) – Bundesnetzagentur
  2. Manipulation von Rufnummern – Bundesnetzagentur
  3. Vorsicht: Falsche Polizisten am Telefon – Verbraucherzentrale
  4. Warnung vor falschen Amazon- und PayPal-Anrufen – Verbraucherzentrale NRW
  5. Medieninformation: Betrugsanrufe im Namen von Europol oder Interpol – Polizeidirektion Görlitz
  6. Beware: scams involving fake correspondence from Europol – Europol

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