Spam-Anrufe: Woher sie kommen und wie Sie sie stoppen

Kurz gesagt

Spam-Anrufe sind vor allem unerwünschte Werbeanrufe, dazu Bandansagen, Lock- und Betrugsanrufe. Werbung am Telefon ist gegenüber Verbrauchern nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung erlaubt; sonst drohen Bußgelder bis 300.000 Euro. Sperren Sie die Nummer, widerrufen Sie jede Einwilligung und melden Sie den Anruf der Bundesnetzagentur.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Legen Sie bei Werbeanrufen auf, nennen Sie keine Daten und sagen Sie nicht „Ja“.
  • Notieren Sie Nummer, Datum, Uhrzeit, Firma und worum es ging.
  • Widerrufen Sie jede Einwilligung schriftlich oder per E-Mail beim Unternehmen.
  • Sperren Sie wiederholt anrufende Nummern am Handy oder an der FRITZ!Box.
  • Melden Sie unerlaubte Werbeanrufe über das Formular der Bundesnetzagentur.
  • Einen am Telefon geschlossenen Vertrag können Sie in der Regel innerhalb von 14 Tagen widerrufen.

Das Telefon klingelt, am anderen Ende meldet sich ein Callcenter, eine Computerstimme oder niemand. Spam-Anrufe gehören für viele Menschen zum Alltag. Die gute Nachricht: Werbeanrufe ohne Ihre Einwilligung sind in Deutschland verboten, und Sie können einiges dagegen tun. Dieser Ratgeber erklärt, woher die Anrufe kommen, was das Gesetz sagt und wie Sie lästige Anrufe Schritt für Schritt loswerden.

Welche Spam-Anrufe es gibt

Art Woran Sie sie erkennen Mehr dazu
Werbeanruf Angebote für Strom, Gas, Versicherungen, Telefon- und Internetverträge oder Zeitschriften dieser Ratgeber
Gewinnspiel-Anruf „Sie haben gewonnen“ – doch zuerst sollen Sie Daten nennen oder etwas zahlen Gewinnspiel-Anrufe
Bandansage Eine Computerstimme spricht, oft ist kein Mensch in der Leitung dieser Ratgeber
Umfrage Der Anruf beginnt als Befragung und kann in ein Angebot übergehen dieser Ratgeber
Ping-Anruf Es klingelt nur kurz, Sie sollen teuer zurückrufen Ping-Anrufe

Bei Beschwerden über unerwünschte Werbeanrufe geht es nach Erfahrung der Verbraucherzentralen am häufigsten um Telefon- und Internetanbieter, Energieversorger, Banken, Versicherungen und Zeitschriftenverlage.

Warum bekomme ich so viele Spam-Anrufe?

Nach Erfahrung der Verbraucherzentralen werden persönliche Daten oft gesammelt und weitergegeben – mit der Folge, dass sich bald weitere Anbieter melden. Die häufigsten Wege, auf denen Ihre Nummer in Umlauf gerät:

  • Gewinnspiele: Sie dienen laut Verbraucherzentrale vor allem dazu, Daten zu sammeln. Geben Sie dort Ihre Telefonnummer möglichst nicht an.
  • Kleingedrucktes: Vorformulierte Einwilligungen in Verträgen oder Geschäftsbedingungen können wirksam sein. Achten Sie auf Klauseln zu „Datenschutz“ oder „Datenverarbeitung“ und streichen Sie, was Sie nicht wollen, oder lassen Sie Kästchen leer.
  • Adresshändler: Unternehmen kaufen Kontaktdaten und Einwilligungen zu. Solche gekauften Einwilligungen können laut Bundesnetzagentur veraltet oder gefälscht sein.
  • Datenlecks: 2021 tauchten Daten von mehr als 530 Millionen Facebook-Mitgliedern im Netz auf, darunter laut Verbraucherzentrale Daten von rund 6 Millionen Menschen aus Deutschland – unter anderem Handynummern. Solche Daten lassen sich mit weiteren Angaben zusammenführen.

Das Problem wächst: 2025 gingen bei der Bundesnetzagentur 39.842 schriftliche Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe ein, 6 Prozent mehr als 2024 (37.561). Am häufigsten ging es um Gewinnspiele (über 28 Prozent), gefolgt von Strom- und Gasverträgen (11,5 Prozent), Dienstleistungen (rund 10 Prozent) und Bauprodukten wie Photovoltaik (rund 8 Prozent).

Sind Werbeanrufe verboten? Die Rechtslage

Ja, wenn Sie nicht eingewilligt haben. Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern ist nur mit Ihrer vorherigen ausdrücklichen Einwilligung erlaubt (§ 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG). Für unerlaubte Telefonwerbung gilt im Einzelnen:

  • Vorher, nicht im Gespräch: Die Einwilligung muss vor dem Anruf vorliegen, schriftlich oder mündlich. Soll sie erst zu Beginn des Telefonats erteilt werden, ist das laut Bundesnetzagentur schon zu spät.
  • Auch für Ihren eigenen Anbieter: Auch ein Unternehmen, bei dem Sie Kunde sind, braucht Ihre Einwilligung für Werbeanrufe.
  • Auch für Bandansagen: Für automatische Anrufe mit Computerstimme gelten dieselben Regeln wie für Anrufe von Menschen.
  • Jederzeit widerrufbar: Eine Einwilligung können Sie jederzeit formlos und ohne Begründung widerrufen.
  • Nachweispflicht: Seit Oktober 2021 müssen Unternehmen Ihre Einwilligung dokumentieren und aufbewahren (§ 7a UWG). Sie dürfen verlangen, dass das Unternehmen die Einwilligung und die Herkunft Ihrer Daten belegt.
  • Keine anonymen Werbeanrufe: Werbeanrufer müssen eine Rufnummer anzeigen. Eine unterdrückte oder gefälschte Nummer ist ein eigener Verstoß.

Bußgelder: Die Bundesnetzagentur kann für unerlaubte Werbeanrufe Bußgelder bis zu 300.000 Euro verhängen – ebenso für Werbeanrufe mit unterdrückter Rufnummer. 2025 führte sie 13 große Bußgeldverfahren; die Bußgelder summierten sich auf über 1 Million Euro. Erstmals ahndete sie dabei auch Verstöße gegen die Pflicht, Einwilligungen zu dokumentieren.

Cold Calls bei Firmen: Bußgelder verhängt die Bundesnetzagentur nur bei Werbeanrufen gegenüber Verbrauchern. Anrufe bei Unternehmen, Gewerbetreibenden und Freiberuflern kann sie nicht ahnden; Betroffene können aber zivil- oder wettbewerbsrechtlich vorgehen. Entscheidend ist der Zweck: Geht es um ein Angebot für den privaten Bedarf, zählt der Anruf als Verbraucheranruf – auch wenn er Sie am Arbeitsplatz erreicht.

Werbeanrufe unterbinden: Schritt für Schritt

Schritt 1 – Im Gespräch richtig reagieren. Bleiben Sie knapp. Nennen Sie keine persönlichen Daten, keine Passwörter und nicht Ihre Stromzählernummer. Antworten Sie möglichst nicht mit „Ja“. Fragen Sie, woher der Anrufer Ihre Daten hat, notieren Sie Name, Firma, Datum und Uhrzeit – und legen Sie auf.

Schritt 2 – Einwilligung widerrufen und Werbung widersprechen. Schreiben Sie dem Unternehmen, dass Sie jede Einwilligung in Werbeanrufe widerrufen. Das geht formlos; per E-Mail oder Brief haben Sie einen Nachweis. Verlangen Sie zugleich, dass Ihre Daten nicht mehr für Werbung genutzt werden. Die Verbraucherzentralen bieten dafür Musterbriefe an.

Schritt 3 – Nummer sperren. Ruft dieselbe Nummer immer wieder an, sperren Sie sie: auf dem iPhone, auf Android-Handys oder für alle Festnetztelefone an der FRITZ!Box. Gegen ständig wechselnde Nummern hilft eine Sperre allerdings wenig.

Schritt 4 – Unbekannte Nummern filtern. Auf dem iPhone finden Sie unter Einstellungen › Apps › Telefon › Unbekannte Nummern überprüfen zwei Schutzstufen: „Stummschalten“ leitet Anrufe von Nummern, die nicht in Ihren Kontakten stehen, direkt zur Voicemail. Bei „Nach Grund des Anrufs fragen“ muss der Anrufer zuerst sein Anliegen nennen. Die Bezeichnungen können je nach iOS-Version abweichen. Auch die Telefon-App vieler Android-Geräte hat einen Spam-Schutz; wo er sitzt, hängt vom Hersteller ab. Fragen Sie außerdem Ihren Telefonanbieter, welche Spam-Warnungen oder Sperren er anbietet. Bedenken Sie: Filter halten auch erwünschte Anrufe auf, etwa von der Arztpraxis oder vom Handwerker. Schauen Sie deshalb regelmäßig in Ihre Mailbox.

Schritt 5 – Beschwerde bei der Bundesnetzagentur. Melden Sie unerlaubte Werbeanrufe über das Beschwerdeformular der Bundesnetzagentur. Beschreiben Sie möglichst genau, wie der Anruf ablief, ob Sie vorher oder nachher Kontakt zu dem Unternehmen hatten und ob die Nummer unterdrückt oder verfälscht war. Legen Sie Belege bei, etwa E-Mails, Anruflisten, Screenshots oder zugeschickte Verträge. Tipp: Die tatsächliche Rufnummer steht manchmal in der Anrufliste Ihres Routers. Beschwerden über dasselbe Unternehmen bündelt die Behörde in einem Verfahren – jede Meldung zählt. Wie Sie dabei vorgehen, zeigt unser Ratgeber Beschwerde bei der Bundesnetzagentur. Zusätzlich nehmen die Verbraucherzentralen Beschwerden online entgegen.

Schritt 6 – Nummer prüfen und andere warnen. Bevor Sie eine unbekannte Nummer zurückrufen, prüfen Sie sie in unserer Rückwärtssuche. Welche Nummern gerade besonders oft auffallen, zeigen die Spam-Nummern. Weiter unten sehen Sie Nummern, die Nutzer bei uns aktuell als Werbe- oder Umfrageanrufe melden.

Robinsonliste: Was sie bringt – und was nicht

Die Robinsonliste des Deutschen Dialogmarketing Verbands (DDV) ist eine Sperrliste gegen Werbung. Wer sich einträgt, wird aus den Adresslisten der Werbeunternehmen gestrichen, die Mitglied im DDV sind. Die Verbraucherzentrale Hamburg bezeichnet sie als „Grobfilter“ für persönlich adressierte Werbung.

Die Grenzen:

  • Die Liste gilt nur für Unternehmen, die dem DDV angehören.
  • Ein Eintrag garantiert nicht, dass keine Werbung mehr kommt.
  • Gegen unerlaubte Werbeanrufe hilft sie kaum: Ohne Ihre Einwilligung darf ohnehin niemand zu Werbezwecken anrufen. Wer dieses Verbot missachtet, dürfte sich auch um eine freiwillige Sperrliste nicht kümmern.

Ein Eintrag schadet nicht. Er ersetzt aber weder den Widerspruch beim Unternehmen noch die Beschwerde bei der Bundesnetzagentur.

Lästige Werbung oder Betrug?

Werbeanrufe sind ärgerlich, Betrugsanrufe sind gefährlich. Werden Sie nach Kontodaten, Zugangscodes oder Bargeld gefragt, gibt sich der Anrufer als Polizei oder Bank aus oder setzt er Sie unter Zeitdruck, legen Sie sofort auf. Bei Verdacht auf Betrug oder Phishing ist die Polizei zuständig, nicht die Bundesnetzagentur.

Aktuell gemeldete Werbe- und Spam-Anrufe

Aus den Meldungen unserer Nutzer, automatisch aktualisiert.

  • 0241 98090247Nicht zurückrufen
    Automatisierte Werbeanrufe mit Google-Bezug · zuletzt gemeldet 13.08.2026

    „unerwünschte telefon Werbung“

  • 0171 5529180Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 15.05.2026

    „Callcenter, die Anruferin, wollte Namen und Firma nicht bekanntgeben und wurde dann unverschämt.“

  • 040 299961770Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 06.05.2026

    „Betrug. Gesundheitsdienst der Krankenversicherung“

  • 040 85599655Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 31.03.2026

    „…einfach nur noch. Angeblich geht's um Pflegeversicherungen, aber das ist ja offensichtlich Betrug. Andere berichten auch, dass die ständig …“

  • 02161 6848143Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 30.03.2026

    „…habe. Am Telefon wurde dann irgendwas von Gewinnspiel erzählt, was total unseriös klang. Würde die Nummer einfach ignorieren und nicht …“

  • 040 756747825Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 30.03.2026

    „…Nummer angerufen und die Anrufer geben sich als Gewinnspielgesellschaft aus. Sie versuchen dich zu überreden, persönliche Daten …“

  • 02151 76261301Nicht zurückrufen
    Werbeanrufe · zuletzt gemeldet 30.03.2026

    „Sie gehört zur SBK Krankenversicherung“

  • 0157 92493844Nicht zurückrufen
    Gemeldet als Betrugsversuch · zuletzt gemeldet 29.03.2026

    „…Sperrung nicht aufhören. Beim Hinterfragen der Gewinnspielversprechungen legen die Anrufer sofort auf. Blockieren Sie die Nummer am besten …“

Alle aktuellen Spam-Nummern

Wenn es schon passiert ist

Wurde Ihnen am Telefon ein Vertrag untergeschoben? Das können Sie tun:

  1. Formvorschriften prüfen: Strom- und Gasverträge sind nur wirksam, wenn Sie sie nach dem Anruf in Textform bestätigen – E-Mail, Fax oder SMS genügen. Bei Telefon-, Internet- und Mobilfunkverträgen müssen Sie eine Vertragszusammenfassung in Textform erhalten und den Vertrag in Textform genehmigen. Verträge über die Teilnahme an Gewinnspielen sind nur in Textform wirksam.
  2. Widerrufen: Am Telefon geschlossene Verträge können Sie in der Regel mindestens 14 Tage lang widerrufen, ohne Begründung. Wurden Sie nicht richtig über Ihr Widerrufsrecht belehrt, verlängert sich die Frist auf 12 Monate und 14 Tage. Schicken Sie den Widerruf am besten per Einwurf-Einschreiben.
  3. Werbung widersprechen: Widersprechen Sie im selben Schreiben der Nutzung Ihrer Daten für Werbung.
  4. Forderungen nicht ungeprüft zahlen: Für unberechtigte Forderungen, Gewinnspiel-Abos und Inkassoschreiben bieten die Verbraucherzentralen Musterbriefe und Beratung an.
  5. Konto im Blick behalten: Haben Sie Bankdaten genannt, prüfen Sie Ihre Kontoauszüge und wenden Sie sich bei unberechtigten Abbuchungen an Ihre Bank.
  6. Melden: Beschweren Sie sich bei der Bundesnetzagentur und bei der Verbraucherzentrale. Bei Verdacht auf Betrug erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, zum Beispiel über die Onlinewache Ihres Bundeslandes.
110Polizei, bei akuter Gefahr oder laufendem Betrug
116 116Sperr-Notruf für Bankkarten und Online-Banking

Häufige Fragen

Warum bekomme ich so viele Spam-Anrufe?

Meist wurde Ihre Nummer gesammelt und weitergegeben, etwa über Gewinnspiele, Einwilligungen im Kleingedruckten, Adresshändler oder Datenlecks. Wer Ihre Nummer einmal hat, gibt sie oft weiter.

Sind Werbeanrufe ohne Einwilligung verboten?

Ja. Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern ist nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung erlaubt (§ 7 UWG). Die Bundesnetzagentur kann Verstöße mit Bußgeldern bis zu 300.000 Euro ahnden.

Darf mich mein eigener Anbieter zu Werbezwecken anrufen?

Nur, wenn Sie vorher eingewilligt haben. Das gilt auch für Unternehmen, bei denen Sie bereits Kunde sind. Eine Einwilligung können Sie jederzeit formlos widerrufen.

Hilft die Robinsonliste gegen Werbeanrufe?

Nur begrenzt. Die Robinsonliste des DDV gilt nur für dessen Mitgliedsunternehmen und bietet keine Garantie. Werbeanrufe ohne Einwilligung sind ohnehin verboten – dagegen helfen Widerspruch, Sperre und Beschwerde mehr.

Was tun bei lästigen Anrufen, die immer wiederkommen?

Sperren Sie die Nummer am Handy oder an der FRITZ!Box, widerrufen Sie schriftlich jede Einwilligung beim Unternehmen und melden Sie die Anrufe der Bundesnetzagentur. Notieren Sie dafür Datum, Uhrzeit und Firmennamen.

Sind Cold Calls bei Firmen verboten?

Bußgelder verhängt die Bundesnetzagentur nur bei Werbeanrufen gegenüber Verbrauchern. Unternehmen, Gewerbetreibende und Freiberufler können gegen unerwünschte Anrufe aber zivil- oder wettbewerbsrechtlich vorgehen.

Quellen

  1. Unerlaubte Telefonwerbung – Bundesnetzagentur
  2. Bundesnetzagentur verzeichnet erneuten Anstieg der Beschwerdezahlen (Pressemitteilung vom 26.01.2026) – Bundesnetzagentur
  3. Ungewollte Werbeanrufe: Hilfe gegen Telefonwerbung – Verbraucherzentrale
  4. Datenlecks bei Facebook: So prüfen Sie, ob Sie betroffen sind – Verbraucherzentrale
  5. Schluss mit Werbepost! – Verbraucherzentrale Hamburg
  6. Unbekannte Anrufer auf dem iPhone verwalten – Apple Support

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